Sasel I – Berlin WE

Als erster trat Janni, Nr.1 des Teams, zudem geistig-moralisches Oberhaupt und MaFü, die Reise an. Kritiker werfen ihm zuweilen einen zu liberalen Führungsstil vor und sehnen die alte, konservativ-autoritäre Ära des Sebastian Baums wieder herbei. Doch das ist ein anderes Thema. Den Sixt-ladend betretend, stach Janni bereits eine verdächtig vegan gefüllte Einkaufstüte in die Augen, die die Verkäuferin sogleich mit einem „habe schon an den Apfelchips genascht“ kommentierte. Wenig später betrat auch schon der Besitzer der Tüte, Vegan-Guru und Nr.3 des Teams, Simon Moschall den Laden. Seinen pectoralis major hatte er in eher unüblicher Manier unter einem konservativen Strickpullover versteckt. Doch keine Sorge – seine Zeit sollte schon noch kommen.
Nach Ausparken des Autos und der Feststellung, dass es sich dabei um ein noch schöneres und moderneres als beim letzten Mal handelte, brachen die zwei Gefährten auf gen Problembezirk Bramfeld. Wenig überraschend war der dritte der sechs Gefährten noch nicht vor der Haustür anzutreffen, was Simon nutze um Janni von seinem gestern gebauten Süßkartoffel-Tower zu überzeugen. Als die Nr.5 des Teams dann doch überraschend pünktlich erschien, Vorhand-Schleuder und Niemals-Ausraster Patrick Masur, quittierte er das vegane Etwas vom anderen Stern sogleich mit einem: „Boah, was ist das denn für ‘ne Scheiße?“ Danach ging’s weiter zur Nr.6, der sich bekanntlich vom Kapitalismus-Ungeheuer Otto ausbeuten lässt: Thorben von Hacht, möglicherweise bald Thorben von Denker (Firmengründung läuft). Als Simon zum Hörer Griff, um die Ankunft des Raumschiffs anzukündigen, kam es zu einer spontanen Autounfall-Simulation, bei der Janni und Patrick (in der Rolle des Unfallopfers) (M) sowie Simon (in der Rolle des Verursachers) eine schauspielerische Meisterleistung darboten. Thorben, bereits den Tränen nah und um das Wochenende bangend, enttarnte das Schauspiel erst, als der Wagen vor seinen Füßen hielt.
Danach ging es weiter Richtung Mittelschicht- und Studentenbezirk Hoheluft, wo die zwei letzten der Gefährten eingesammelt werden sollten. Überraschend pünktlich wartete die Nr. 4, „the-smoothest-man-on-the-table-tennis-table“, Patrick Wienefeld bereits vor dem REWE-Laden. Tobi schien noch in der Klinik festzustecken und so startete der gesundheitsorientierte Einkauf für das Wochenende ohne ihn. Der von Konsumforschern gründlich durchdachte Ladenaufbau, bei dem der Bereich mit alkoholischen Getränken immer erst am Ende kommt, zeigte bei einigen Spielern nicht die gewünschte Wirkung. Gekonnt wurde die Obst- und Gemüseabteilung übergangen und sich der in nächtelanger Akribie erarbeiteten alkoholischen Einkaufsliste gewidmet. Nur die verantwortungs- und gesundheitsbewussten Weltverbesserer, Janni und Simon, widmeten sich den scheinbar genmanipulierten Bananen und Äpfeln. Am Ende stand ein Einkaufswagen, von dem die Kassiererin bis kurz vor Schluss sichtlich beeindruckt war, der dann aber doch noch von den üblichen Betäubungsmitteln des Prekariats abgerundet wurde. Diese wurden jedoch nicht von dem von Peter großzügig bereitgestellten Einkaufsgeld finanziert, weil es für Simon schlicht unmöglich gewesen wäre, für den selben Preis Smoothies zu konsumieren. Zuletzt wurde dann noch die Nr.2, Quiz-Duell-Gott und noch-TTR-Ritter Tobi, der sichtlich erschöpft von seinem ersten Arbeitstag war, eingesammelt. Auf die Anmerkung, dass das doch nun die nächsten 40 Jahre so weitergehe, reagierte er nicht unbedingt strahlend. Dann konnte die Reise in die Hauptstadt losgehen.

Nach einer verhaltenen und musikalisch eher ruhigeren Anfangsphase, läutete Patrick Masur, als er zum ersten Mal an den Turntables stand, die Vorbereitungsphase auf den Tanzclub, im allgemeinen Jugend-Deutsch heute auch „Vorsaufen“ genannt, ein. Wie üblich hatte er in seinem Plattensortiment ein paar Crowd-Catcher, die eher die körperlichen und weniger die geistigen Aspekte des weiblichen Geschöpfs betonten. Nachdem auch Janni die im Studium erlernte Vorstellung, dass Frauen mehr als Lustobjekte seien, kurzerhand vergessen hatte, grölte auch er zu den leicht zugänglichen Melodien von Klassikern wie „Make it nasty“ oder „B**** bouncing on my D***“ mit. Besonders bei der 1.Herren-Hymne „Houseparty“ wackelten wieder mal die Wände,
auch Klassik-Liebhaber Janni verpasste seinen Einsatz bei „i’m so drunk, jumping around like a ninja“ nicht.
Tobi sah bereits da die geringe Empfänglichkeit der Menge für anti-kommerzielle Musik, die wohl nur der mit ähnlich feinsinnigen Ohren ausgestattete Janni nicht als Lärm empfunden hätte und verzichtete kurzerhand auf sein DJ-Set.

In Berlin angekommen und mal wieder vor unserem Stammhostel stehend, dem „Generator“, staunten wir nicht schlecht. Zwar hatte der MaFü bei der Buchung bereits gelesen, dass er sich in Berlin-Mitte befinden sollte, dass es aber in Mitten der Mitte liegen würde, damit hatte er nicht gerechnet. So war das Hostel links und rechts von Bars, feierwütigen Menschen und sich prostituierenden Frauen umgeben. Ehe wir uns versahen, hatten zwei leichtbekleidete junge Damen sogleich unsere beiden Patricks umzingelt, die offenbar der Illusion unterlagen, dass diese auf ihren Charakter und nicht auf ihre Kreditkarte aus seien. Als einziger Nicht-Single wimmelte die Masurische Seenplatte die lüsternen Geschöpfe jedoch mit einem „nein, danke, ich habe schon“ gekonnt ab. Von diesem unsittlichen und unkeuschen Viertel überwältig, entschied Alles-Organisator Janni sich kurzerhand auf ein Generator umzubuchen, in dem man sich besser auf den Sport konzentrieren könne. Zudem hatte er in einer nächtlichen Prophezeiung gesehen, dass das Hostel von einem Unglück heimgesucht werde (wie sich später herausstellte, kam es dann auch so: Berichten von Winnie zufolge brannte das Hostel später, wobei noch unklar ist, wie zurechnungsfähig Winnie war). Das Umbuchen stieß zwar auf einigen Protest der Untertanen, wurde aber später durch die bessere Parkumgebung und den Brand nachträglich gerechtfertigt (okay, so viel Ehrlichkeit muss sein, der MaFü hatte einen organisatorischen Fehler gemacht und das Team zum falschen Hostel gelenkt. Seelenleser Simon merkte sogleich, dass dieser Schwierigkeiten hatte, seinen Fehler einzugestehen, gab er doch ein mürrisches „nächstes Mal könnt ihr ja buchen“ von sich. Aufbauend fügte Simon jedoch hinzu, dass die Wenigstens es vermögten, Fehler einzugestehen. Selbst er habe in dieser Hinsicht manchmal Probleme.

Somit wurde dann das ruhiger gelegene Genator-Hostel bezogen. Janni musste leider alleine sein Zimmer beziehen, hatte aber doch Verständnis dafür, dass Tobi den juvenilen Party-Exzessen seiner Kameraden eine ruhigere Abend-Gestaltung bei seinem Bruder vorzog. Wie sich später herausstellte, blieb das freie Bett auch nicht ungenutzt. Danach wurden ein paar Mischgetränke konsumiert, bei denen vor allem das doppelte P kräftig zuschlug und einen Ehrgeiz an den Tag legte, der uns im Tischtennis längst in die Regionalliga befördert hätte. Dann wurde zielstrebig das vom angeblichen Szene-Kenner Harun empfohlene „Soda“ angesteuert, eine Großraum-Disse mit schlichtem Publikum, die nicht ganz den Erwartungen entsprach. Musikalisch war aber für jeden etwas dabei (wenn auch kein Mozart) und Spaß kann man bekanntlich schon in einem dunklen Raum mit zwei Boxen haben. Winnie, offensichtlich mit der im Rudel herrschenden Paarungshierarchie noch nicht vertraut, stahl Janni prompt ein paarungswilliges Weibchen vor der Nase weg (Okay, zu Patricks Verteidigung sei gesagt, dass ihr sein Muskelspiel offenbar mehr imponierte als Jannis). Zur Abrundung gab es danach noch einen Midnight-Snack vor dem Club, danach ging’s zurück zum Hostel. Nicht alle fanden jedoch den direkten Weg ins Bett..

Am nächsten morgen ging es mit leichter Verspätung Richtung Fuchsbau. Trotz anfänglicher Lethargie packte die meisten dann doch noch der Ehrgeiz und die meisten kamen noch auf eine Einspielzeit von über 5 Minuten. Schließlich war der Abstieg zu dem Zeitpunkt mathematisch auch noch möglich und so lief das Team trotz leichtem Kater nochmal richtig heiß. Janni und Tobi lieferten einen guten Auftakt, nicht völlig souverän, aber letztlich doch verdient punkteten sie gegen das Doppel Bartels/Gehler, Simon und Winnie schlugen das asiatische Duo aus Phong/Nguyen klar mit 3:0 und unser Dreierdoppel blieb weiterhin ungeschlagen und steuerte souverän das 3:0 nach. Im Einzel machte Tobi gegen Phong Le Trung das wohl längste Spiel seiner Karriere (ca. 50 Minuten), verlor trotz dauerhafter Führung unglücklich im 5.Satz zu 9. Janni fühlte sich gegen den optisch ungefährlich wirkenden Daniel Bartels zwar überlegen, das Ergebnis sagte aber etwas anderes (-4, -7, -9). Winnie gewann gegen den frisch aus Paris eingereisten Stephan 3:1, Simon schlug einen der stärksten Spieler der Mitte, An Nguyen, überragend 3:0. Thorben zeigte beim 3:1 über Gehler, dass sich das Training gelohnt hatte und Patrick verlor etwas überraschend gegen Marcel Börner (1:3). In Runde zwei hatte Janni ein Deja-vu, verlor wie schon bei der Hochschulmeisterschaft zweimal in der Verlängerung gegen Phong und schließlich im 4. Satz deutlich (1:3). Tobi hatte wie Janni mächtige Probleme mit dem Rückhand-Heber Bartels und fand nicht wirklich ins Spiel (0:3). Simon bestätigte seine starke Form und legte auch Stephan 3:1, der darauf anmerkte, es sei das letzte Spiel seiner Karriere gewesen, was Simon etwas verdutzt zunächst für einen Scherz hielt. Paddy lag An Nguyen deutlich weniger als Simon und hatte – um ehrlich zu sein – nicht den Hauch einer Chance. Paddy (M) gewann gegen Gehler mit kurzen Faust-ins-Gesicht-Ausrutscher ansonsten aber mental starker Leistung 3:2 und Thorben machte mit einem 3:1 über Marcel Börner sein erstes 2:0 der Saison perfekt und wurde damit zum Match-Winner!

Nach dem starken und wichtigen, aber kräfteraubenden 9:6 gegen die Füchse war erstmal kurz Luftholen angesagt. Jetzt ahnten die ersten, dass es das erste und letzte Mal sein würde, dass wir zwei Oberliga-Spiele an einem Tag bestritten. Doch mit einem kurzen Döner-Snack in die Hand, der selbst in der etwas ranzig aussehenden Dönerbude besser schmeckte als 90% aller Hamburger Döner, musste es dann weiter ins sasel-ähnliche Düppel gehen, wo wir (fast verdächtig) freundlich von Vater Lietzau mit Pizza empfangen wurden. Eine kalkulierte Freundlichkeit, die den Schuldner zum Dank und zur Loyalität verpflichten sollte, wie die Sozialpsychologen Tobi und Janni später noch messerscharf analysierten. Die nach starker Selbstinszenierung riechende und mit Werbung vollgekleisterte Halle erinnerte einen stets daran, welchem gönnerhaften Mäzen der Verein zu großem Dank verpflichtet sei: Dr. Markus Lietzau. So warb selbst der Begrüßungsspruch der Mannschaft für seine Kieferchirurgie.

Schon vom ersten Ball an war der Kräftemangel bei allen zu spüren. Tobi fragte sich immer wieder, welchen Akkustand ein noch zu erfindener Bio-chemischer Akku wohl nun bei ihm anzeigen würde, wahrscheinlich lief er schon auf Reservebatterie. Gegen das starke Doppel Stürzebecher/Iskine mussten sich Tobi und Janni nach gutem ersten Satz geschlagen geben, wider Erwarten war Iskine der Man-of-the-match. Auch Winnie und Simon wurden am Nebentisch hart drangenommen, Strahl und Lietzau wären allerdings auch bei vollen Kräften kaum bezwingbar gewesen. Und auch unser bis dato noch ungeschlagenes Dreier-Doppel erfuhr nun seine erste Niederlage, Thorbens und Patricks berüchtigter Jubelsprung blieb am Ende leider aus. Dann startete Tobi gegen den Ex-Profi und Boll-Konkurrenten Lietzau, dessen Spins zwar nicht so hart einschlugen wie im Youtube-Video, dem Tobi nach gutem ersten Satz letztlich doch deutlich unterlag. Auch Janni war gegen „Stürze“ wieder mal chancenlos, die gefühlten fünfzehn Schussfehler hätte er wohl auch im vollen Besitz seiner Kräfte gemacht, Wahnsinn was „die Pfote“ mal wieder fischte. Nur Simon, dessen bio-chemischer Akku wahrscheinlich nie unter 90% sinkt, knüpfte da an wo er aufgehört hatte und schlug den NEM-Teilnehmer Iskine in einem hochklassigen Match 3:2. Paddy spielte gegen Strahl einen überragenden ersten Satz, brach danach aber ein (1:3). Thorben konnte seinen Lauf nicht fortsetzen und verlor gegen Leonard Krise (1:3), Paddy zerlegte seinen Zwillingsbruder dafür an der Nachbarplatte und machte mal wieder ca. 15 Aufschlag-Punkte.

Runde zwei begann dann mit einem heftigen Wortgefecht zwischen unserer für Streitigkeiten bekannten Nr.1 und Markus Lietzau. Nachdem dieser zum zweiten Mal fünf Minuten auf sich warten ließ und pünktlich mit Aufruf des Spiels die Halle verließ, konnte Janni nicht umher und ließ sich (von Simon inspiriert) zu einem provokanten „Hat das einen Grund, dass du immer zu spät kommst?“ hinreißen. Sogleich schäumte Lietzau vor Wut und verwies auf seine Magenprobleme, die ihn auf der Klobrille festgehalten hätten. Sofort unterstützt von seinem Vater, der Janni fortan als „Spinner“ bezeichnete, kam es zu einem heftigen Hahnenkampf, den man sich nach externer Schlichtung dann entschied an der Platte auszutragen. Während Janni versuchte durch dezentes Jubeln und freundliches entschuldigen zu deeskalieren, suchte Lietzau mit Faust-ins-Gesicht und lauten „Tschos“ die Offensive, unterstellte Janni dazu verdeckte Aufschläge, als er dessen Außenschnitt dreimal in die unterste Netzmasche gesegt hatte. Obwohl Janni mehr Zeit damit verbrachte, Lietzaus Psyche zu analysieren, als sich auf das Spiel zu konzentrieren, konnte er das Spiel irgendwie gewinnen (3:2), ahnte jedoch schon, dass das kein gutes Ende zur Folge hätte. Beim Handschütteln legte Lietzau seinen Todesblick auf und murmelte ein „jetzt hast du ja dein Ziel erreicht“. Auch das war nicht das Ende vom Lied, doch mehr ist der Rede nicht wert.

Tobi konnte gegen Stürze deutlich mehr entgegensetzen als Janni, verlor die ersten beiden Sätze unglücklich mit 2-Punkte-Differenz und wurde dann vom Mut verlassen (0:3). Simon demonstrierte auch im vierten Spiel, dass seine kleine Krise endgültig überwunden ist und machte gegen Strahl sein bestes Saisonspiel. Er war drauf und dran nach Janni als zweiter Strahlbezwinger in die Geschichtsbücher des TSV einzugehen, verspielte jedoch eine 10:8-Führung im 5. Satz. Winnie mobilisierte ungeahnte Kräfte und gewann überragend gegen Iskine im 5. Satz. Damit waren wir nochmal zurück im Spiel (5:8). Von nun an waren alle Spiele gewinnbar und zunächst sah auch alles danach aus. Thorben hatte schon Konstantin Kriese souverän bezwungen, da fing Masur auf einmal an zu straucheln. Plötzlich von seinen Kräften verlassen, lag er 2:9 im 5. Satz zurück und kämpfte sich dann unglaublich stark auf 9:9 heran. Am Ende hielten die Nerven jedoch nicht ganz und Kriese machte den 9:5-Sieg für Düppel perfekt. Schade, am Nebentisch hatten Janni und Tobi im Abschlussdoppel gerade auf 1:1 ausgeglichen.

Nach diesem erneut kräfteraubenden Spiel wich die Feierlaune der meisten zunehmend. Nach einem guten Inder mit delikatem 4-Mann-Menü ging es zurück ins Hostel, aus dem Janni und Tobi nicht mehr ihren Weg fanden. Der Rest der Bande checkte noch einmal, ob an der hauseigenen Bar mit TT-Platte noch ein paar Frauen zu imponieren seien, fand dann aber irgendwann (Zeit unbekannt) ebenfalls seinen Weg ins Bett. Nur Patrick Masur konnte der Versuchung nicht widerstehen, der ägyptischen Kultur ein wenig tiefer auf den Grund zu gehen und mit einem Hamburger Freund eine ihrer berühmten Wasserpfeifen auszuprobieren.

Wir setzen die Reise unserer sechs Gefährten am dritten und letzten Tag ihrer Reise fort. An diesem Sonntag sollte bereits um 10Uhr Abfahrt sein. Als Janni kurz vor Treffpunkt schon mal aus der Tür lugte, kam ihm jedoch bereits ein aufgebrachter Simon entgegen, der mit strenger Miene “Mafü, sprich mal ein Machtwort, Masur liegt immer noch im Bett!”, sprach. Janni, sich seiner Pflicht und Verantwortung als Mafü sofort bewusst, hämmerte daraufhin in üblicher strenger und autoritärer Manier seine Faust des Zorns dreimal wütend gegen die Tür der Zimmernummer 623. Von drin war nur ein dumpfes Stöhnen zu hören, dem Janni entnahm, dass Patrick’s Kulturerforschungsreise gestern abend offenbar etwas länger gedauert hatte. Als 10 Minuten nach Treffpunkt noch kein P anwesend war, entschieden wir uns zur pädagogischen Maßnahme “Vorgehen”, die allerdings nur mäßig zu wirken schien, von Sisha-Patrick war jedenfalls bei Betreten des Autos kein “Tschuldigung” zu vernehmen.
Dann ging es ins Berliner Nobelviertel Charlottenburg, das uns aber eher vorkam wie ein gehobenes Familien/Studentenviertel. Als unsere uns mittlerweile tief ans Herz gewachsene Navigationsdame behauptete, wir hätten nun “das Ziel erreicht”, schweiften unsere Blicke vergeblich durch die Luft, auf der Suche nach einer Halle. Erst Tobi, der hier schon mal gespielt hatte, löste das Rätsel: “Da, das zweistöckige Gebäude, das ist es.” Und tatsächlich, gespielt wurde im zweiten Stockwerk dieses Etwas, das eher nach einem Bürogebäude aussah und ein wenig an die berühmte ETV-Halle erinnerte.
Die Einspieleuphorie hielt sich erneut in Grenzen, selbst das sonst so disziplinierte obere Paarkreuz fand sich auf einmal beim Einstudieren eines Seitenswechsel-Tricks wieder, der allerdings kläglich an der Kreativ- und Talentlosigkeit Tobis scheiterte. Die Einspielslethargie wurde von allen ins Spiel mitgenommen, alle drei Doppel spielten weit unter Normalnull (0:3). Tobi kam auch im Einzel nicht in die Nähe der 100% (0:3 gegen Popal), der durch hohen Trainingsumfang mit der Belastung schon besser klar kommende Janni spielte gegen Simon Goessens gutes Tischtennis und konnte das Spiel trotz filmreifem Rückhand-Around-the-Net-Shot von Goessens für sich entscheiden (3:2). Bei Simon sah es gegen Michael Jäger, deren Verhältnis man wohl am besten als Hassliebe bezeichnen könnte, zunächst nach einem Totalausfall aus, was allerdings auch mit der hohen Strahlungsintensität Jägers zusammenhing. Zunächst schien das Match vom berühmten 5-Satz-Hinspiel mit Tscho-Konzert und abschließender Umarmung meilenweit entfernt. Nach 0:2 kämpfe sich Simon jedoch zurück und es wurde tatsächlich noch ein dem Hinspiel ebenbürtiges hochklassiges Match, bei dem Simon am Ende seine Bilanz weiter ausbauen und die mittlere Paarkreuz-Wette für sich entscheiden konnte (die Strafe wird noch erwartet). Am anderen Tisch hatte sich Winnie mit der Körperspannung einer Leiche an den Tisch begegeben, sein gewohnt lässiger Style schien diesmal eher seiner Erschöpfung als seiner Coolness geschuldet. Dennoch spielte er erstaunlcih gutes Tischtennis und verlor am Ende nach 2:1 Führung nur 2:3. Auch Match-Winner vom Vortag Thorben konnte den Charlottenburger Punkterausch nicht unterbrechen, mit Alles-Fischer Norbert Aldoph erwischte er ein undankbares Los für einen vom Muskelkater gezeichneten. Nur das Masürchen wollte seine durch die Matches vom Vortag etwas in Mitleidenschaft gezogene Bilanz wieder aufpulieren, was ihm beim souveränen 3:1 gegen Roland Kowalski auch gelang.

In Runde zwei wurde deutlich, dass Tobi’s deutliche Niederlage auch einem starken Popal geschuldet war, der auch Janni keinen Satz gewinnen ließ (wenn auch ähnlich knapp wie im Hinspiel (-9,-9,-8). Tobi’s kleine Negativserie nahm gegen Goessens zunächst seinen Lauf, doch dann kam Tobi zurück – leider am jedoch nicht “zurück” genug (2:3). Tobi führte seinen Misserfolg auf seine Beine zurück (die für sein “athletisches” Spiel angeblich von Bedeutung seien), ahnte jedoch nicht, dass Janni dem TTR-Ritter am Vortage etwas Vodka in sein Mango-Lassi geschüttet hatte, um die Paarkreuz-Wette doch noch für sich zu entscheiden. Bei gleichen Bilanzen von 8:10 ist nun vor dem letzten Spiel wieder alles offen.

Simon positivierte seine Bilanz mit einem erneut nervenstarken Fünf-Satz-Sieg zum ersten Mal auf 9:8 und schnuppert damit nun wieder an der berüchtigten 2000er TTR-Marke. Winnie unterlag auf Grund einer Mischung aus körperlicher und geistiger Erschöpfung gegen einen erneut starken Hunter, wodurch Charlottenburg den wichtigen Anti-Abstiegs-Sieg perfekt machte. Die Trauer über das verlorene Match hielt sich jedoch bei allen in Grenzen und hätte auch gegen die Kugeleis in der Berliner Nachmittagssonne nicht lange bestanden. Als bei bester Laune dann die Heimreise angetreten werden sollte und wir uns bereits bei unseren Gegner verabschiedet hatten, hätte wohl niemand gedacht, dass die zu dem Zeitpuntk noch beim Italiener speisenden Charlottenburger vor uns die Heimreise antreten würden.

Kurz nach dem Ausparken stellte sich uns ein düster dreinblickender deutsch-türkischer Plautzen-Mammut in den Weg und hinderte uns an der Weiterfahrt. Nachdem Janni sich entschloss, den Widersacher zunächst nicht direkt umzufahren und Simon schlichtend, aber mit Nachdruck insistierte “okay Leute, wir bleiben jetzt alle ganz ruhig, wir rufen die Polizei und es wird alles gut”, stiegen wir aus um der Gewalt die sprachliche Kommunikation vorzuziehen. Auf mehrfaches Nachfragen antwortete uns der Mammut, wir hätten beim Ausparken das Auto “dort hinten” gestriffen und müssten nun dafür blechen. Nach anfänglicher Verdutzung, weil weder jemand von uns irgendetwas gespürt hatte noch der Rückwärtspieper auf Anschlag gepiept hatte, bot uns der Besitzer des Autos, der den Mammut “zufällig” kannte, an, mit 50€ die Sache kurz und polizeilos zu klären. Das war mit uns natürlich nicht zu machen und so durfte die Berlier Polizei am Sonntagnachmittag wegen einer nur mit Lupe identifizierbaren Schramme, die Teil eines Schrammen-Schlachtfelds war, ausrücken. Als die Beamten alles abgemessen und wir den vermeintlichen Tathergang in echtzeit rekonstruiert hatten (uns dabei allerdings klammheimlich etwas schwerer gemacht hatten, um die Messungen zu manipulieren), kamen auch sie zu dem Ergebnis, dass die Schramme nicht von uns gewesen sein konnte, da half auch nicht die Zeugenaussage der Freundin des Autobesitzers, die meinte, beim Sitzen im Auto “einen heftigen Aufprall” gemerkt zu haben.

Nach lästiger Abgabe unserer Formalien hatte Simon jedoch noch etwas gegen eine Weiterfahrt: Janni-like konnte er auf einmal sein Portmonee nicht mehr finden und rief lieber gleich beim Generator an, anstatt erstmal offensichtliche Ablageorte zu durchsuchen. Als auch dieses Hindernis aus dem Weg geräumt war, konnten wir mit über einstündiger Verspätung in die Heimat aufbrechen. Auf der Rückfahrt hatte sich Fahrprüfer Patrick Masur nach vorne gemogelt und unterzog Janni kurzerhand einer Fahrprüfung, die dieser jedoch mit Bravur bestand. Fasziniert über die neuesten Entwicklungen der Technik, wie zum Beispiel das Lenkrad-Vibrieren bei Spurverlassen an unserem Ford, philosophierten unsere sechs Gefährten dann noch über eine Welt mit Autos ohne Fahrern, daraus sich ergebenden Versicherungsproblemen und vielem mehr.

Und so endete die Reise unserer sechs Gefährten, die nächste Saison zumindest bei Punktspielen nicht mehr in der selben Konstellation wandern werden. Ein menschlich schwer entbehrlicher Gnom vom Stamme der Elfen wird in der nächsten Saison leider nicht mehr mit den Gefährten wandern, daher sei schon einmal an dieser Stelle gesagt: Danke für zwei geile Jahre Oberliga an Thorben von Denkerhacht! Im Herzen wirst du ein Teil der Mannschaft bleiben!

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