Winning Ugly – Mentale Stärke und Psychotricks im Tischtennis

Von 30. September 2014 Allgemein 4 Kommentare
Winning Ugly - Teil 1

Winning Ugly – Teil 1

Wie man „hässlich“ gewinnt wird in dem Buch „Winning Ugly – Mentale Kriegsführung im Tennis“ von Brad Gilbert beschrieben. Gilbert war in den 80er Jahren in der Tennis-Weltspitze und hat Andre Agassi als Coach zur Nummer 1 in der Tennisweltrangliste geführt. Er wurde zum besten Tennis-Coach Amerikas gewählt. In Winning Ugly beschreibt er Strategien für die mentale Stärke im Tennis und bringt zahlreiche Beispiele, wie Top-Spieler diese Strategien einsetzen. Über ihn selbst hat sein Trainer zu Beginn der Laufbahn notiert: Keine Vorhand, keine Rückhand, kein Volley, schlechter Aufschlag – gewinnt aber häufig. Das Spiel des Strategen Gilbert muss so unangenehm gewesen sein, dass John McEnroe, begnadetes Talent und ehemalige Nr. 1 der Weltrangliste nach einer Formkrise und einer Niederlage gegen Gilbert ein halbes Jahr Spielpause eingelegt hat. In einem anderen Match hat er Gilbert beschimpft, es sei eine Schande, dass er, Gilbert, mit seinem Spiel mit ihm, McEnroe, auf einem Tennisplatz stehe. Natürlich kann durch mentale Stärke und Psychotricks fehlendes Naturtalent nur bedingt ausglichen werden, aber wenn es eng wird entscheidet der Kopf. Wer hat nicht schon mal gegen einen „Riesen“ gewonnen oder völlig unerwartet gegen eine „Blinze“ verloren. Meist waren es eben nicht die Luftfeuchtigkeit, die abgespielten Belägen oder das Glück des Gegners, sondern die mentale Stärke, die den Unterschied ausgemacht hat. Es geht nicht darum sportlich unfaire Mittel einzusetzen, aber ein bisschen Psychokrieg ist immer dabei. Warum es in der Tischtennisliteratur kein vergleichbares Buch gibt ist mir völlig unverständlich, vielleicht weil das wesentliche schon in Winning Ugly steht. Mit diesem Artikel beginnt eine kleine Reihe von sieben Beiträgen, die Themen aus dem Buch von Brad Gilbert aufnimmt.
… und am Ende wählen wir den Saseler Spieler, der “winning ugly” am besten beherrscht … also ich hätte da schon einen Kandidaten 🙂

Winning Ugly Teil 1: Das Spiel beginnt bevor das Spiel beginnt.
Brad Gilbert beschreibt die Vorbereitung von Tennis-Spielern auf das nächste Spiel. Dies beginnt nicht mit dem Warmspielen auf dem Platz und nicht mit den Gedanken eine Stunde vor dem Spiel, sondern am Abend vorher. Gilbert spielt Bälle in Gedanken durch, er sieht sich in seinen Ballwechsel gewinnen, er denkt an erfolgreiche Spielzüge gegen den Gegner aus vorangegangenen Matches und er geht eine Checkliste durch: Wie schlägt der Gegner auf? Wie schlägt er zurück? Wie entwickelt sich sein Spieltempo? Daraus wird eine Spielstrategie erarbeitet – das alles geschieht weit vor dem Spiel. Im TT ist so eine konzentrierte Vorbereitung auf einen Gegner meist nicht möglich, weil in Punktspielen und Turnieren mehrere Gegner an einem Tag antreten. Das Prinzip eine Strategie im Gilbert´schen Sinne zu entwickeln ist dennoch anwendbar. Dazu gehört auch die Absprache mit den Mannschaftskollegen im Punktspiel. Wie ist der Gegner heute drauf? Welcher Schlag kommt nicht? Wie kann man Probleme aus der letzten Begegnung vermeiden? Einen Plan, eine Strategie zu haben gehört auch zu winning ugly. Ich selbst fühle mich unwohl, wenn ich gegen einen völlig unbekannten Gegner spielen muss, den ich vorher nicht kurz studiere konnte und ins Spiel gehen muss mit der Devise: mal sehen was passiert. Spieler ohne Plan nennt Gilbert „braindead“.

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